/056/ /Daniel Ramirer: China-Kiste
Daß Schelsky ab und zu für seinen Schwiegervater arbeitete, wurde von beiden als eine reine Männerangelegenheit betrachtet. Schelsky war überzeugt, daß die Frauen nichts davon wußten. Vor allem Margarete sollte davon nichts erfahren, weil er vor ihr nicht zugeben wollte, daß er nun doch mit etwas Außerliterarischem Geld verdiente, noch dazu von ihrem Vater veranlaßt. Und der sollte vielleicht auch seine Schwäche für Schelsky vor seiner Frau nicht offenbaren müssen, die - wie aus vielen Äußerungen zu entnehmen war - von ihrer anfänglichen Meinung noch immer nicht abgerückt war, Schelsky sei eigentlich ein Erbschleicher, der nur darauf wartete, bis sie beide unter der Erde waren, um hernach Margarete systematisch aus dem Haus zu ekeln und sich dieses ganz unter den Nagel zu reißen.
Nachdem Schelsky die Unterlagen für seine weitere Tätigkeit als Werbetexter abgeholt hatte, kehrte er mit Margarete aus der Stadt zurück. Schon über der Reichsbrücke hatte sich die „Diechinesin“ wieder zwischen sie geschoben. Es kam ihm gelegen, daß sich Margarete durch seine Fahrweise ablenken ließ. Er beschleunige zu heftig, warf sie ihm vor, und schon stand er bei der Ampel vor der UNO-City. Er flitzte gern zwischen langsameren Autos hindurch, gab aber der Versuchung durch ihr neues Auto die Schuld, das ja viel mehr PS hatte als ihr gemeinsames altes, das jetzt seines geworden war. Es imponiere ihr keineswegs, wenn er Geschwindigkeitsbeschränkungen mißachte. Das sei pure Angeberei, sein Minderwertigkeitskomplex allen Männern gegenüber, die sich ein stärkeres Auto leisten konnten; und letzten Endes auch ihr gegenüber, die ein solches von ihrem Vater geschenkt bekommen habe. Er wolle das sicherlich nicht gern hören, aber er schmücke sich mit fremden Lorbeeren.
Nachdem Schelsky die Unterlagen für seine weitere Tätigkeit als Werbetexter abgeholt hatte, kehrte er mit Margarete aus der Stadt zurück. Schon über der Reichsbrücke hatte sich die „Diechinesin“ wieder zwischen sie geschoben. Es kam ihm gelegen, daß sich Margarete durch seine Fahrweise ablenken ließ. Er beschleunige zu heftig, warf sie ihm vor, und schon stand er bei der Ampel vor der UNO-City. Er flitzte gern zwischen langsameren Autos hindurch, gab aber der Versuchung durch ihr neues Auto die Schuld, das ja viel mehr PS hatte als ihr gemeinsames altes, das jetzt seines geworden war. Es imponiere ihr keineswegs, wenn er Geschwindigkeitsbeschränkungen mißachte. Das sei pure Angeberei, sein Minderwertigkeitskomplex allen Männern gegenüber, die sich ein stärkeres Auto leisten konnten; und letzten Endes auch ihr gegenüber, die ein solches von ihrem Vater geschenkt bekommen habe. Er wolle das sicherlich nicht gern hören, aber er schmücke sich mit fremden Lorbeeren.
Adam Fliege - 3. Apr, 08:12
