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Donnerstag, 5. April 2007

/058/ /Daniel Ramirer: China-Kiste

Als er das erste Mal davorgestanden war, war das ein ganz anderer Anblick gewesen - nachts, nur zwei der unteren Fenster hell. Da hatte noch die Großmutter Margaretes gelebt. Die hatte ihn nur hierhergeführt, weil sie es für romantischer hielt, die Nacht in dem Gartenhaus zwischen der Sackgasse vor dem Haus und der Alten Donau zu verbringen als im demütigenden Kabinett Schelskys oder in irgendeinem muffigen Hotelzimmer, das sie hätte bezahlen müssen. Wie sie dann am Morgen aufwachten, hörten sie die Großmutter klopfen, und sie schrie immer wieder, sie wisse, daß Margarete mit einem Mann im Gartenhaus sei. So eine Hurerei! Wie ihr ein solch anständiges Mädchen - Margarete war damals immerhin schon 31 - eine solche Schande antun könne! Sie werde gleich ihren Sohn anrufen, der sollte seiner Tochter die Leviten lesen! Margarete war das Gezeter der Großmutter peinlich, lachte aber zugleich darüber und bat Schelsky, sich nichts daraus zu machen. Doch plötzlich tauchte der Verdacht auf, er sei einfach in eine Familienfalle geraten und die Verlockung dieses glatten, oft glitschigen, daher gar nicht festzuhaltenden Frauenkörpers könnte auch der Auftakt zu einer Folge von Mißverständnissen, Revierkämpfen, Machtanfällen und Demütigungen jeder Art sein.

Darauf sah er das Haus zum ersten Mal bei Tageslicht. Es schaute ziemlich verwahrlost aus. Margarete sagte entschuldigend, ihre Großmutter wolle nicht, daß man daran etwas verändere, solange sie lebe. Das müsse man respektieren.

Das Haus war inzwischen renoviert worden. Es hatte ein neues Dach und einen einstöckigen Nebentrakt bekommen. Schelsky hatte tatkräftig mitgeholfen, daß sein Wert auf mehr als das Doppelte gestiegen war. Er hatte mit einigen Schwarzarbeitern und seinem Schwiegervater viele Nachmittage und Abende auf dieser Baustelle verbracht.

Schon damals war es dessen Plan gewesen, den Dachboden auszubauen - für seine Kindeskinder. Da es aber keine Nachkommen gab, war darüber nicht mehr gesprochen worden. Es war immer ein peinliches Schweigen gewesen, oft mitten im Satz, mit bedeutungsvollen Blicken. Und Schelsky war es dann, als liege eine Last auf seinen Schultern, und er zog den Kopf ein und schloß die Augen.

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