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Freitag, 6. April 2007

/059/ /Daniel Ramirer: China-Kiste

Einmal hatte er von einem Kind geträumt, das seine Züge trug - ganz er, nur um ein Vierteljahrhundert oder mehr verjüngt - und hinter einem blitzblanken Dachfenster zu sehen war, und er hatte das als Auftrag aufgefaßt, die alte Idee wieder aufzugreifen und den Dachboden für seine Zwecke zu adaptieren. Schon die ersten Skizzen zeigten einen Extrazugang von außen nach oben.

Als schließlich ein Zimmermeister und ein Dachdecker auftauchten, um den Zustand des Dachs zu prüfen und die Kosten nur für dessen Renovierung zu veranschlagen, mußte er Margarete einweihen. Sie sollte es ihren Eltern beibringen: Jetzt sei es an der Zeit und auch eine Notwendigkeit, mit dem Dachbodenausbau zu beginnen, wie die Gutachten der Fachleute bewiesen. In der Dachkonstruktion sei der Holzwurm, und eine sofortige Sanierung würde billiger sein als in einem viel schlechteren Zustand. Doch sein Plan war an der Finanzierung gescheitert, da ihm der Schwiegervater kein Geld vorstrecken wollte und er von einer Bank keinen Kredit, noch dazu in Millionenhöhe, bekommen konnte.

Während er hinter Margarete die Zeichenmaterialien durch Stiegenhaus in ihre Wohnung hinauftrug, verwünschte er seine zögerliche Haltung zur Zeit des Umbaus. Damals vor acht Jahren hätte er den Schwiegervater viel mehr drängen sollen. Dann müßte er Margarete jetzt nicht wegen der Unterbringung der Chinesin bitten und betteln. Er hätte sie einfach in seine eigene Wohnung einladen können.

Er folgte seiner Frau in den Zeichenschulraum, den sie noch in der Nacht geschmückt hatte. An die zehn Puppen in verschiedenen Größen baumelten von der Decke. Sie trugen die Namen der Zeichenschulkinder. Und über der Eingangstür prangte ein Schild: Willkommen im Kinderpuppenzimmer!

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