/060/ /Daniel Ramirer: China-Kiste
Er hörte ein Geräusch im Nebenraum, und Margarete sagte: Frau Ettenreich? Sie ging ans Ende des Eßraums und sah in das Zeichenschulzimmer hinein. Frau Ettenreich, sind Sie da?
- Heut ist doch nicht Freitag, sagte Schelsky, sie kommt doch sonst immer nur am Freitag.
- Hab sü aber gästern angerufn, wail doch alls schon so dräcküg üst!
Schelsky fand den Boden blitzsauber, kannte aber Margaretes Ehrgeiz, überall alles geradezu hygienisch rein zu haben, wenn die Kinder kamen. Die Eltern sollten sehen, daß sie bei ihr in den besten Händen waren, da sie sich nirgendwo schmutzig machen oder gar anstecken konnten.
Die Putzfrau war nicht gekommen, und Schelsky wollte nicht für sie einspringen, sich aber auch mit Margarete auf keinen Disput über Schmutzempfinden und Reinigungsarbeiten einlassen. Er sagte, er habe die Tageszeitung noch nicht gelesen, und setzte sich im Bad auf den heruntergeklappten Klodeckel.
Die Niederlage hinsichtlich der Chinesin ging ihm nicht aus dem Kopf. Wäre er nicht so lax gewesen, könnte er ihr jetzt genauso ein Schild vorweisen: Willkommen in meiner Dachwohnung! Und er, Alexander Schelsky, wäre deren Besitzer, und niemand könnte ihm etwas anhaben.
Wie er das im Detail anstellen sollte, hatte ihm sein Doppelgänger, der manchmal in seinen Träumen auftrat und alles besser wußte, nicht verraten, dafür eine viel billigere Methode: die Handwerker brauchten sich nur auf seinen Glauben berufen. Solange er glaubte, sie hätten für ihn den Dachboden ausgebaut, würde er auch drinnen wirklich wohnen können. Solange er glaubte, zu seiner neuen Dachbodenwohnung würde er über eine Außentreppe kommen, könnte ihm das tatsächlich gelingen.
- Heut ist doch nicht Freitag, sagte Schelsky, sie kommt doch sonst immer nur am Freitag.
- Hab sü aber gästern angerufn, wail doch alls schon so dräcküg üst!
Schelsky fand den Boden blitzsauber, kannte aber Margaretes Ehrgeiz, überall alles geradezu hygienisch rein zu haben, wenn die Kinder kamen. Die Eltern sollten sehen, daß sie bei ihr in den besten Händen waren, da sie sich nirgendwo schmutzig machen oder gar anstecken konnten.
Die Putzfrau war nicht gekommen, und Schelsky wollte nicht für sie einspringen, sich aber auch mit Margarete auf keinen Disput über Schmutzempfinden und Reinigungsarbeiten einlassen. Er sagte, er habe die Tageszeitung noch nicht gelesen, und setzte sich im Bad auf den heruntergeklappten Klodeckel.
Die Niederlage hinsichtlich der Chinesin ging ihm nicht aus dem Kopf. Wäre er nicht so lax gewesen, könnte er ihr jetzt genauso ein Schild vorweisen: Willkommen in meiner Dachwohnung! Und er, Alexander Schelsky, wäre deren Besitzer, und niemand könnte ihm etwas anhaben.
Wie er das im Detail anstellen sollte, hatte ihm sein Doppelgänger, der manchmal in seinen Träumen auftrat und alles besser wußte, nicht verraten, dafür eine viel billigere Methode: die Handwerker brauchten sich nur auf seinen Glauben berufen. Solange er glaubte, sie hätten für ihn den Dachboden ausgebaut, würde er auch drinnen wirklich wohnen können. Solange er glaubte, zu seiner neuen Dachbodenwohnung würde er über eine Außentreppe kommen, könnte ihm das tatsächlich gelingen.
Adam Fliege - 7. Apr, 10:11
