/061/ /Daniel Ramirer: China-Kiste
Es gab da aber auch eine andere Figur, die ihm vorführte, was passierte, wenn er diesen Glauben verlor. Mit der saß er in einem schwarzen Ledergestühl, und auf einmal begann alles zu schwanken, und er hatte den Eindruck, ein Erdbeben würde das Haus zum Einsturz bringen. Es schwankte und hüpfte und kippte. Und der Hausgeselle, der Trickster, ein Held der nordamerikanischen Winnebago-Indianer, rief mit blecherner Stimme, er sollte ja in seinem Glauben nicht nachlassen, er müsse es nur hinausschreien, daß er an die Existenz dieser Dachbodenwohnung glaube. Er hörte, wie er: Ich glaube! Ich glaube! brüllte. Dann war alles still. Ich glaube! Ich glaube! Die Dachfenster waren nach oben geklappt, er konnte auf den hellblauen Himmel hinausblicken und die vorbeifliegenden Vögel hören. Ich glaube! Mit einem Schwupp stand er vor dem Fenster, das ihn zugleich umrahmte, als stünde er in einem Porträtbild, und lächelte glücklich, zugleich etwas dumm. Ich glaube!
Margarete kam ins Bad und begann sich abzuschminken. Damit konnte sie ihn immer vertreiben. Er zog sich ins Schlafzimmer zurück, blieb in der Tür stehen, blickte auf das Doppelbett, auf dessen rechte Seite er sich jede Nacht hinlegte - jetzt lag eine bestickte weiße Bettdecke darüber ausgebreitet - und flüsterte: Ich glaube an die Existenz meiner Dachbodenwohnung, ich glaube, ich glaube daran!
Das Zimmer war noch genauso wie damals, als sie hier einzogen. Schelsky hatte für weiße Möbel im Schlafzimmer plädiert, nur aus einem Anfall von Ironie heraus; aber er war ernst genommen worden. So war ein Farbkonzept für den ganzen ersten Stock entstanden - Gelb für das Vorzimmer, Rot für die Küche, Grün für das Wohnzimmer, und Schwarz und Silber für das gemeinsame Arbeitszimmer, das später ein Kinderzimmer werden sollte.
Margarete kam ins Bad und begann sich abzuschminken. Damit konnte sie ihn immer vertreiben. Er zog sich ins Schlafzimmer zurück, blieb in der Tür stehen, blickte auf das Doppelbett, auf dessen rechte Seite er sich jede Nacht hinlegte - jetzt lag eine bestickte weiße Bettdecke darüber ausgebreitet - und flüsterte: Ich glaube an die Existenz meiner Dachbodenwohnung, ich glaube, ich glaube daran!
Das Zimmer war noch genauso wie damals, als sie hier einzogen. Schelsky hatte für weiße Möbel im Schlafzimmer plädiert, nur aus einem Anfall von Ironie heraus; aber er war ernst genommen worden. So war ein Farbkonzept für den ganzen ersten Stock entstanden - Gelb für das Vorzimmer, Rot für die Küche, Grün für das Wohnzimmer, und Schwarz und Silber für das gemeinsame Arbeitszimmer, das später ein Kinderzimmer werden sollte.
Adam Fliege - 8. Apr, 09:55
