/091/ /Daniel Ramirer: China-Kiste
Schelsky legte sofort den Zeigefinger auf den Mund des Söhnchens und gebot ihm so zu schweigen. Aber der schaute ihn aus grauen, verschlafenen Augen schräg an und drängte, ohne ein Wort hervorzubringen, gegen seinen Körper, während er ihn mit sanftem Druck zurückzuhalten versuchte.
Als Frau Katzer nun ganz in der Nähe schrie, schnellte er sich geschickt an Schelsky vorbei und rief erlöst: Mama! Mama! Worauf diese ihm ihre Erleichterung mit einer überschwenglichen Umarmung bekunden mußte.
Schelsky robbte sich auf dem Boden ein Stück weiter. Der Geruch von Erde, Laub, Moos, Steinen war ihm vertraut, die Nähe zur Erde und all dem damit Verbundenen jedoch verloren gegangen.
Nur kurz kam dann das Müslimädchen wieder zum Vorschein. Es war ihre Zunge gewesen, die eine feurige, schlangenlinienförmige, unauslöschliche Spur über sein Gesicht gezogen hatte. Er störte ihn, daß er ihr auch jetzt noch einen gewissen Einfluß zubilligen mußte. Sie war zu einem Erinnerungsbild gefroren, das von selbst bei gewissen Gelegenheiten auftauchte. Und damit verband sich dann die Sehnsucht nach Wiederholung einer solchen Berührung. Im Gegensatz zu Fu war sie keine Buchfigur gewesen, und er mußte keineswegs die Einmaligkeit dieses Augenblicks anerkennen. War er nicht eigentlich noch immer der Junggeselle auf der Suche nach einer Braut, der sofort krank wurde, als er diese erblickte? Mußte nicht jeder Junggeselle krank werden, wenn sich ein Mädchen näherte, das seine Braut sein könnte? Sie könnte jetzt an der Stelle Frau Katzers neben ihm hergehen, ihn umtänzeln, und er würde ihren Anblick genießen und ihr alles schwören, was sie sich wünschte. Sollte er vielleicht doch einmal im Telefonbuch nachschauen, ob er ihren Namen fand? Aber wie konnte er ihren Familiennamen erinnern, wenn er nicht einmal ihren Vornamen mehr wußte? Vielleicht gab es dennoch einen Weg und ein Zufall half ihm.
Das Söhnchen wollte nun nicht mehr von der Mutter runter. Oben auf den Schultern, oder links und rechts auf ihrer Hüfte - das war die einzig richtige Art, sich über die Langeweile des In-die-Pedale-Tretens eine Weile hinwegzuschwindeln, während Schelsky dessen Rad schob. Als er Frau Katzer riet, sich quer durch das Gebüsch zu schlagen, um den Weg abzukürzen, wollte sie davon nichts hören: sie seien doch beide viel viel längere Spaziergänge gewohnt.
Als Frau Katzer nun ganz in der Nähe schrie, schnellte er sich geschickt an Schelsky vorbei und rief erlöst: Mama! Mama! Worauf diese ihm ihre Erleichterung mit einer überschwenglichen Umarmung bekunden mußte.
Schelsky robbte sich auf dem Boden ein Stück weiter. Der Geruch von Erde, Laub, Moos, Steinen war ihm vertraut, die Nähe zur Erde und all dem damit Verbundenen jedoch verloren gegangen.
Nur kurz kam dann das Müslimädchen wieder zum Vorschein. Es war ihre Zunge gewesen, die eine feurige, schlangenlinienförmige, unauslöschliche Spur über sein Gesicht gezogen hatte. Er störte ihn, daß er ihr auch jetzt noch einen gewissen Einfluß zubilligen mußte. Sie war zu einem Erinnerungsbild gefroren, das von selbst bei gewissen Gelegenheiten auftauchte. Und damit verband sich dann die Sehnsucht nach Wiederholung einer solchen Berührung. Im Gegensatz zu Fu war sie keine Buchfigur gewesen, und er mußte keineswegs die Einmaligkeit dieses Augenblicks anerkennen. War er nicht eigentlich noch immer der Junggeselle auf der Suche nach einer Braut, der sofort krank wurde, als er diese erblickte? Mußte nicht jeder Junggeselle krank werden, wenn sich ein Mädchen näherte, das seine Braut sein könnte? Sie könnte jetzt an der Stelle Frau Katzers neben ihm hergehen, ihn umtänzeln, und er würde ihren Anblick genießen und ihr alles schwören, was sie sich wünschte. Sollte er vielleicht doch einmal im Telefonbuch nachschauen, ob er ihren Namen fand? Aber wie konnte er ihren Familiennamen erinnern, wenn er nicht einmal ihren Vornamen mehr wußte? Vielleicht gab es dennoch einen Weg und ein Zufall half ihm.
Das Söhnchen wollte nun nicht mehr von der Mutter runter. Oben auf den Schultern, oder links und rechts auf ihrer Hüfte - das war die einzig richtige Art, sich über die Langeweile des In-die-Pedale-Tretens eine Weile hinwegzuschwindeln, während Schelsky dessen Rad schob. Als er Frau Katzer riet, sich quer durch das Gebüsch zu schlagen, um den Weg abzukürzen, wollte sie davon nichts hören: sie seien doch beide viel viel längere Spaziergänge gewohnt.
Adam Fliege - 9. Mai, 10:08
