/092/ /Daniel Ramirer: China-Kiste
Schelsky sagte, er habe nun schon genug gesehen, genug Bewegung gemacht und genug Luft in dieser Gegend eingeatmet. Er habe einen angenehmen Anblick gehabt, genug Abwechslung und Unterhaltung, zum Beispiel durch die Spatzen, die bestimmte Bäumen hoch oben bevölkerten und vor sich hintschilpten, als sei der wahre Sommer schon ausgebrochen. Sollte er in nächster Zeit an sie, Frau Katzer, denken, dann gewiß auch im Zusammenhang mit diesen Vogelbäumen, was ihr doch nicht gleichgültig sein könne. Allerdings, räumte er ein, sei eine Steigerung noch möglich. Sie sollte ihn genauso behandeln wie ihren Sohn und ihn daher eine Weile aufsitzen lassen, was vielleicht für beide letzten Endes einen Gewinn darstellen würde, in Form einer höchst ungewöhnlichen Annäherungsart, obwohl sie schon einige Schritte überanstrengen würden.
Frau Katzer schien diese Art von Humor nicht zu mögen, verzog nur wortlos das Gesicht und begleitete ihn, nachdem der Sohn von ihr herabgeglitten war und sie dessen Rad geschultert hatte, ohne Gegenwehr durch das Gehölz.
Bald stießen sie auf ein weites, leeres Feld, das sichtlich vom Wild als Wechsel benützt wurde, folgten dessen Spuren und sahen weiter weg am Rand des Baumbestands einen dick angezogenen Mann, der ein eigentümliches Gerät in der Hand trug, das er in einem bestimmten Rhythmus gegen den Boden drückte.
Frau Katzer hielt das für einen Geigerzähler und wandte sich ängstlich Schelsky zu. Da er nicht stoppte, lief er direkt in ihre Arme. Sie drückte sich reflexartig einige Augenblicke an ihn, sodaß er in ihre Augen blicken mußte, die blind zu sein schienen, wie die einer Neugeborenen. Ehe sie das Gleichgewicht wieder gewonnen hatte, indem sie einige Schritte zurücktrat, roch er ihre Haare und vermutete in ihrer Hose entweder einen festen mädchenhaften Hintern oder einen schlappen unter Orangenhaut. Beides war ihm recht. Gerade ihre peinliche, eigensinnige Einfalt fand Schelsky in diesem Moment attraktiv. Obwohl nichts in ihrem Leben nicht aalglatt, nicht hochglänzend, nicht chaotisch und nicht masochistisch sein konnte, mußte sich hinter ihrem breiten, bleichen Gesicht und hinter den dünnen, flattrigen Haaren ein Bett verbergen, das scheußlich roch - ungelüftet, nach Schweiß und Urin, Monatsblut, verbohrter Brunft. Soviel sie sich auch abmühte, dieser Geruch haftete dem Bettzeug an, der Matratze wie ihr die Haut. Und das verursachte ihre Anziehungskraft auf ihn, die ihm die Idee eingab, eine weniger öffentliche Variante einer Begegnung mit ihr auszuprobieren. Aber es würde auch kinderleicht sein, aus der Katzerschen Ordnung ein Chaos zu machen und sich dann notgedrungen hinaus auf die Straße zu flüchten, um sich dort, ohne auf Passanten zu achten, mit ihr zu paaren. Plötzlich lag sie auf dem Gehsteig vor einer der neuen Siedlungen, er hörte sie keuchen. Sie würde nicht nur sein Gewicht auf sich spüren müssen, sondern jedes Steinchen unter ihrem Rücken, ohne zu klagen. Sie würde das als gerechte Strafe für alle ihre Sünden an ihren Nächsten - vor allem dem Sohn - bezeichnen und sich schreiend bei ihm bedanken.
Frau Katzer zeigte sich erleichtert, als sie einen verwachsenen Weg erreichten, der sie aus den Augen des Fremden mit dem Geigerzähler entfernte. Bevor sie sich dann verabschiedete, war ihr auch eine praktikable Lösung für Sun Lin eingefallen. Sie wollte sie an den Kollegen Glimpf, den Blonden mit der Stirnglatze, abgeben und so mit einen Schlag gleich zwei Personen etwas Gutes tun
Frau Katzer schien diese Art von Humor nicht zu mögen, verzog nur wortlos das Gesicht und begleitete ihn, nachdem der Sohn von ihr herabgeglitten war und sie dessen Rad geschultert hatte, ohne Gegenwehr durch das Gehölz.
Bald stießen sie auf ein weites, leeres Feld, das sichtlich vom Wild als Wechsel benützt wurde, folgten dessen Spuren und sahen weiter weg am Rand des Baumbestands einen dick angezogenen Mann, der ein eigentümliches Gerät in der Hand trug, das er in einem bestimmten Rhythmus gegen den Boden drückte.
Frau Katzer hielt das für einen Geigerzähler und wandte sich ängstlich Schelsky zu. Da er nicht stoppte, lief er direkt in ihre Arme. Sie drückte sich reflexartig einige Augenblicke an ihn, sodaß er in ihre Augen blicken mußte, die blind zu sein schienen, wie die einer Neugeborenen. Ehe sie das Gleichgewicht wieder gewonnen hatte, indem sie einige Schritte zurücktrat, roch er ihre Haare und vermutete in ihrer Hose entweder einen festen mädchenhaften Hintern oder einen schlappen unter Orangenhaut. Beides war ihm recht. Gerade ihre peinliche, eigensinnige Einfalt fand Schelsky in diesem Moment attraktiv. Obwohl nichts in ihrem Leben nicht aalglatt, nicht hochglänzend, nicht chaotisch und nicht masochistisch sein konnte, mußte sich hinter ihrem breiten, bleichen Gesicht und hinter den dünnen, flattrigen Haaren ein Bett verbergen, das scheußlich roch - ungelüftet, nach Schweiß und Urin, Monatsblut, verbohrter Brunft. Soviel sie sich auch abmühte, dieser Geruch haftete dem Bettzeug an, der Matratze wie ihr die Haut. Und das verursachte ihre Anziehungskraft auf ihn, die ihm die Idee eingab, eine weniger öffentliche Variante einer Begegnung mit ihr auszuprobieren. Aber es würde auch kinderleicht sein, aus der Katzerschen Ordnung ein Chaos zu machen und sich dann notgedrungen hinaus auf die Straße zu flüchten, um sich dort, ohne auf Passanten zu achten, mit ihr zu paaren. Plötzlich lag sie auf dem Gehsteig vor einer der neuen Siedlungen, er hörte sie keuchen. Sie würde nicht nur sein Gewicht auf sich spüren müssen, sondern jedes Steinchen unter ihrem Rücken, ohne zu klagen. Sie würde das als gerechte Strafe für alle ihre Sünden an ihren Nächsten - vor allem dem Sohn - bezeichnen und sich schreiend bei ihm bedanken.
Frau Katzer zeigte sich erleichtert, als sie einen verwachsenen Weg erreichten, der sie aus den Augen des Fremden mit dem Geigerzähler entfernte. Bevor sie sich dann verabschiedete, war ihr auch eine praktikable Lösung für Sun Lin eingefallen. Sie wollte sie an den Kollegen Glimpf, den Blonden mit der Stirnglatze, abgeben und so mit einen Schlag gleich zwei Personen etwas Gutes tun
Adam Fliege - 10. Mai, 02:28
