/093/ /Daniel Ramirer: China-Kiste
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eigentlich, dachte Schelsky, müßte Fang Wei aus Mailand schon zurück sein, und blieb im Auto gegenüber dem Institut stehen. Es war ein Mittwoch, da schloß der Unterricht bereits um zwölf. Doch es kam nur Sun Lin heraus, inmitten ihrer Kurskollegen, Türken, Afrikanern und Asiaten. Er sah, wie sich diese in verschiedene Richtungen entfernten.
Währenddessen schlenderte Sun Lin, nun in Begleitung eines Schwarzen, der sichtlich ein Foto, das sie ihm in die Hand gedrückt hatte, mit lachenden Kommentaren bedachte, zur Station Schwedenplatz hin. Sie trug wieder die Jacke ihres Mannes. Auffällig dünn steckten ihre Beine in einer hellblauen, wohl echt chinesischen Stretch-Hose.
Schelsky gefiel diese Kleidung überhaupt nicht. Deshalb dachte er sofort daran, sie in ein Warenhaus mit einer großen Damenmodenabteilung zu verschleppen, um sie zumindest zum Kauf einer eigenen Jacke zu animieren oder ihr selbst eine zu kaufen, falls sie ihm das erlaubte.
Er hupte kurz und machte Sun Lin, als sie zu ihm herschaute, durch das geöffnete Autofenster ein Zeichen, worauf sie sich schnell von ihrem Begleiter verabschiedete und dann gleich auf dem Beifahrersitz niederließ.
- Danke, überraschung, jaha, sagte sie und wandte sich ihm zu. Dabei bemerkte er, daß sie unter der Jacke einen gestreiften Kinderpulli mit einer aufgenähten, etwas speckigen Mickey-Maus trug.
Er sprach sie sofort auf das Foto an, und sie hielt es ihm hin. Es zeigte sie vor einem verschwommenen, dunkelgrünen Hintergrund. Und neben ihr auf einem Tischchen saß ein Baby mit einem schwarzen, steil in die Höhe gezwirbelten Haarschopf.
Sie holte noch andere Fotos aus ihrer Schultasche, mit demselben Sujet, in verschiedenen Räumen und ebenso im Freien, vor den blühenden Bäumen des Universitätsparks, eines auch mit ihrem glücklich lächelnden Mann. Er trug einen etwas zu großen Mao-Anzug und streckte die ganz in Rosa gekleidete Tochter der Sonne entgegen.
Gleich gestand sie Schelsky, daß das ihr Kind sei, gezeugt vor drei Jahren während eines kurzen Aufenthalts in Peking, geboren in der Universitätsklinik von Xian und bald danach von ihren Eltern zur Betreuung übernommen, damit sie ihr Studium fortführen konnte.
eigentlich, dachte Schelsky, müßte Fang Wei aus Mailand schon zurück sein, und blieb im Auto gegenüber dem Institut stehen. Es war ein Mittwoch, da schloß der Unterricht bereits um zwölf. Doch es kam nur Sun Lin heraus, inmitten ihrer Kurskollegen, Türken, Afrikanern und Asiaten. Er sah, wie sich diese in verschiedene Richtungen entfernten.
Währenddessen schlenderte Sun Lin, nun in Begleitung eines Schwarzen, der sichtlich ein Foto, das sie ihm in die Hand gedrückt hatte, mit lachenden Kommentaren bedachte, zur Station Schwedenplatz hin. Sie trug wieder die Jacke ihres Mannes. Auffällig dünn steckten ihre Beine in einer hellblauen, wohl echt chinesischen Stretch-Hose.
Schelsky gefiel diese Kleidung überhaupt nicht. Deshalb dachte er sofort daran, sie in ein Warenhaus mit einer großen Damenmodenabteilung zu verschleppen, um sie zumindest zum Kauf einer eigenen Jacke zu animieren oder ihr selbst eine zu kaufen, falls sie ihm das erlaubte.
Er hupte kurz und machte Sun Lin, als sie zu ihm herschaute, durch das geöffnete Autofenster ein Zeichen, worauf sie sich schnell von ihrem Begleiter verabschiedete und dann gleich auf dem Beifahrersitz niederließ.
- Danke, überraschung, jaha, sagte sie und wandte sich ihm zu. Dabei bemerkte er, daß sie unter der Jacke einen gestreiften Kinderpulli mit einer aufgenähten, etwas speckigen Mickey-Maus trug.
Er sprach sie sofort auf das Foto an, und sie hielt es ihm hin. Es zeigte sie vor einem verschwommenen, dunkelgrünen Hintergrund. Und neben ihr auf einem Tischchen saß ein Baby mit einem schwarzen, steil in die Höhe gezwirbelten Haarschopf.
Sie holte noch andere Fotos aus ihrer Schultasche, mit demselben Sujet, in verschiedenen Räumen und ebenso im Freien, vor den blühenden Bäumen des Universitätsparks, eines auch mit ihrem glücklich lächelnden Mann. Er trug einen etwas zu großen Mao-Anzug und streckte die ganz in Rosa gekleidete Tochter der Sonne entgegen.
Gleich gestand sie Schelsky, daß das ihr Kind sei, gezeugt vor drei Jahren während eines kurzen Aufenthalts in Peking, geboren in der Universitätsklinik von Xian und bald danach von ihren Eltern zur Betreuung übernommen, damit sie ihr Studium fortführen konnte.
Adam Fliege - 11. Mai, 02:28
