/101/ /Daniel Ramirer: China-Kiste
Plötzlich stand Fang Wei neben Schelsky, und er legte reflexartig seinen Arm um ihre Hüfte und schob sie vor sich her. Sie drehte sich kichernd um und schaute mit tiefschwarzen, funkelnden Augen zu ihm auf, erwartungsvoll, undurchdringlich, ihn vielleicht nur als leicht handhabbaren Sprachvermittler anbetend, während ihm das einen Augenblick lang jeden Halt unter den Füßen wegzog.
Er drängte sie sanft neben den Stuhl im Nachbarraum, auf dem Sun Lin saß, über eine Mappe gebeugt, und verhörte sie über ihr Einkommen in Italien, weil er es abstoßend fand, daß es ihr so leicht fiel, Geld zu verdienen, während Sun Lin ihren Mann jedesmal anbetteln mußte.
Die blickte zu ihnen auf, und Schelsky betrachtete sie dabei. Er überlegte, wie er Fang Wei hier loseisen könnte, während ihm Sun Lin gestand, sie habe heute keinen Groschen mit, da ihr Mann über Nacht wieder einmal durcharbeiten mußte und sie das Taschengeld für diese Woche schon verbraucht hatte.
Fang Wei lachte triumphierend, hielt ihrer Wohngenossin einen Hunderter hin, den diese aber nicht annahm, mit einem unsicheren Blick auf Schelsky.
Doch der äußerte sich dazu nicht. Die Situation war ihm nicht geheuer: beide Chinesinnen in einem Raum, umgeben von ihren Kolleginnen und Kollegen. Fang Wei hatte ihm gleich ein schwarzes Buch überreicht. Er blätterte darin und entdeckte einen Aufsatz über ihren Italienaufenthalt: Mein Fahrt nach Milano. Ihre Schrift war groß und gut leserlich.
Schelsky überlegte schon, wie er sich aus der Affäre ziehen konnte, ehe die nächste Stunde begann, als ihm jemand auf die Schulter klopfte - der heute in einem rostroten Sakko steckende Blonde, der sich mit: Josef Glimpf vorstellte. Sichtlich froh, Schelsky noch erwischt zu haben, sagte er, seinen Unterricht habe jemand anderer übernommen, und lud ihn zu einem Essen in ein vegetarisches Restaurant in der Innenstadt ein. Von da habe er es nicht weit zur Praxis seines Vaters, eines Internisten; bei ihm habe er anschließend zu tun.
Er drängte sie sanft neben den Stuhl im Nachbarraum, auf dem Sun Lin saß, über eine Mappe gebeugt, und verhörte sie über ihr Einkommen in Italien, weil er es abstoßend fand, daß es ihr so leicht fiel, Geld zu verdienen, während Sun Lin ihren Mann jedesmal anbetteln mußte.
Die blickte zu ihnen auf, und Schelsky betrachtete sie dabei. Er überlegte, wie er Fang Wei hier loseisen könnte, während ihm Sun Lin gestand, sie habe heute keinen Groschen mit, da ihr Mann über Nacht wieder einmal durcharbeiten mußte und sie das Taschengeld für diese Woche schon verbraucht hatte.
Fang Wei lachte triumphierend, hielt ihrer Wohngenossin einen Hunderter hin, den diese aber nicht annahm, mit einem unsicheren Blick auf Schelsky.
Doch der äußerte sich dazu nicht. Die Situation war ihm nicht geheuer: beide Chinesinnen in einem Raum, umgeben von ihren Kolleginnen und Kollegen. Fang Wei hatte ihm gleich ein schwarzes Buch überreicht. Er blätterte darin und entdeckte einen Aufsatz über ihren Italienaufenthalt: Mein Fahrt nach Milano. Ihre Schrift war groß und gut leserlich.
Schelsky überlegte schon, wie er sich aus der Affäre ziehen konnte, ehe die nächste Stunde begann, als ihm jemand auf die Schulter klopfte - der heute in einem rostroten Sakko steckende Blonde, der sich mit: Josef Glimpf vorstellte. Sichtlich froh, Schelsky noch erwischt zu haben, sagte er, seinen Unterricht habe jemand anderer übernommen, und lud ihn zu einem Essen in ein vegetarisches Restaurant in der Innenstadt ein. Von da habe er es nicht weit zur Praxis seines Vaters, eines Internisten; bei ihm habe er anschließend zu tun.
Adam Fliege - 19. Mai, 07:04
