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Sonntag, 20. Mai 2007

/102/ /Daniel Ramirer: China-Kiste

Im Lokal kam Glimpf bald ohne Umschweife zur Sache: seit ihm Frau Katzer erzählt habe, Schelsky sei Schriftsteller, habe ihn die Idee verfolgt, mit ihm ein Buch schreiben zu wollen. Er habe den Stoff und Schelsky sicherlich die Fähigkeit, diesen zu verwerten. In Peking, wo er einige Semester verbrachte, habe er bedeutende Personen kennengelernt, so eine Österreicherin, die schon vor dem Zweiten Weltkrieg ausgewandert war und einen Chinesen geheiratet hatte, den chinesischen Kulturminister, einen früheren Schauspieler usw.

Schelsky hatte bisher nur ein einziges Mal mit jemandem anderen zusammengearbeitet, und das auch nur, weil er von Margarete, die damals noch an seinen schnellen Erfolg glaubte, gedrängt wurde - noch während des Studiums, als er einem Mitarbeiter des Rundfunks begegnet war, der einen historischen Stoff als Grundlage für ein mehrteiliges Hörspiel verwenden wollte. Er ließ sich überreden, weil ihm der Mann, etwa zehn Jahre älter als er, mit seiner Mischung aus Wissenschaftlichkeit, Wirklichkeitssinn und Verrücktheit imponierte. Er traf ihn oft in seiner Wohnung, in der er und seine immer puppenartig geschminkte Frau, die aus der DDR geflüchtet war, Antiquitäten restaurierten, worin er sich ihm verbunden fühlte, und an Händler weiterverkauften.

Davon erzählte er jetzt Glimpf. Er versuchte ihm die Ursachen dafür zu erklären, daß die Hörspiele zwar geschrieben, aber niemals gesendet wurden. Denn der Historiker hatte einen anderen Begriff von Wahrheit: er wollte Figuren, denen Sätze vorhandener Dokumente in die Mund gelegt wurden. Die waren für Schelsky aber nur Fundmaterial, daher einem Hauptthema unterzuordnen. Außerdem sollte der historische Hintergrund deutlich zur Sprache kommen, woran sich die pädagogischen Absichten des Historikers zeigten. Und schließlich die Dramaturgie: er wollte eine Art Bilderbogen, Schelsky eine Verschränkung der Motive, was ein mehrschichtiges Verstehen erlauben würde.

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