/108/ /Daniel Ramirer: China-Kiste
Er wählte ihren Mittelfinger und ließ ihn immer wieder zwischen seinem Daumen und seinem Zeigefinger hindurchschlüpfen. So forderte er ihre Nässe heraus, die ihm erlaubte, nun nahezu widerstandslos auf- und abzugleiten.
Bis sie die Hand plötzlich umdrehte, sich mit ihren Nägeln über seine Handoberfläche kratzte, ihm deren Rauheit bewußt machend, auch ihre Behaarung an den unteren Fingergliedern.
Er dachte an seine mittleren Knöchel, die ihm manchmal, besonders nach der Möbelrestaurierungsarbeit, schon grau und aufgesprungen erschienen waren, an seine deutlich hervortretenden Adern und das Gefühl, das er dabei hätte, risse sie jetzt durch eine immer heftiger werdende Kratzbewegung die Haut über den Adern weg. Dann strömte sein Blut heraus, unstillbar, von ihr erst sehr spät bemerkt, viel zu spät. Er wäre schon schwach, atemschwach. Mit zugeklappten Augen stürzte er zu Boden, vornüber, schlüge mit der Stirn auf, dort unten, in allernächster Nähe zu den ledernen Stiefeln, die keinerlei Mitleid kennen würden.
Wie war das mit Fu wirklich gewesen? Fand er in diesem Buchwesen den Ersatz für die tabuisierte Mutter, die verzweifelte Mystifikation einer strafenden Göttin, die Lust in der immerwährenden Bestrafung versprach - trotz ihrer fortschreitende Entweiblichung? Sollte es ihn stören, daß ihre Stimme dunkel klang? Oder daß sich ihre Brüste, ohne daß sie diese mit breiten Bändern einzuschnüren brauchte, wie es früher in China Mode war, radikal verkleinert hatten, weil sie weiterhin den Tee vom feinblättrigen Sumpfschierling trank? Er hatte nichts dagegen, daß man sie, wenn sie das Haar hochsteckte und es mit dem breiten Bambushut der Fischer bedeckte, leicht mit einem Mann halten konnte. War das nicht ein zusätzlicher verwirrender Reiz? Das alles machte Fu stolz, aber nicht glücklich. Aber sie hätte sich auf einen Jüngling wie Schelsky gestürzt, hatte er sie nur mit dem kleinen Finger berührt, und ihn mit ihrer neuen Körperkraft besiegt. Oder hätte er schon ohne die geringste Gegenwehr nachgegeben, damit sie ihren Fuß auf seinen Kopf setzen und ihm ins Gesicht spucken konnte?
Bis sie die Hand plötzlich umdrehte, sich mit ihren Nägeln über seine Handoberfläche kratzte, ihm deren Rauheit bewußt machend, auch ihre Behaarung an den unteren Fingergliedern.
Er dachte an seine mittleren Knöchel, die ihm manchmal, besonders nach der Möbelrestaurierungsarbeit, schon grau und aufgesprungen erschienen waren, an seine deutlich hervortretenden Adern und das Gefühl, das er dabei hätte, risse sie jetzt durch eine immer heftiger werdende Kratzbewegung die Haut über den Adern weg. Dann strömte sein Blut heraus, unstillbar, von ihr erst sehr spät bemerkt, viel zu spät. Er wäre schon schwach, atemschwach. Mit zugeklappten Augen stürzte er zu Boden, vornüber, schlüge mit der Stirn auf, dort unten, in allernächster Nähe zu den ledernen Stiefeln, die keinerlei Mitleid kennen würden.
Wie war das mit Fu wirklich gewesen? Fand er in diesem Buchwesen den Ersatz für die tabuisierte Mutter, die verzweifelte Mystifikation einer strafenden Göttin, die Lust in der immerwährenden Bestrafung versprach - trotz ihrer fortschreitende Entweiblichung? Sollte es ihn stören, daß ihre Stimme dunkel klang? Oder daß sich ihre Brüste, ohne daß sie diese mit breiten Bändern einzuschnüren brauchte, wie es früher in China Mode war, radikal verkleinert hatten, weil sie weiterhin den Tee vom feinblättrigen Sumpfschierling trank? Er hatte nichts dagegen, daß man sie, wenn sie das Haar hochsteckte und es mit dem breiten Bambushut der Fischer bedeckte, leicht mit einem Mann halten konnte. War das nicht ein zusätzlicher verwirrender Reiz? Das alles machte Fu stolz, aber nicht glücklich. Aber sie hätte sich auf einen Jüngling wie Schelsky gestürzt, hatte er sie nur mit dem kleinen Finger berührt, und ihn mit ihrer neuen Körperkraft besiegt. Oder hätte er schon ohne die geringste Gegenwehr nachgegeben, damit sie ihren Fuß auf seinen Kopf setzen und ihm ins Gesicht spucken konnte?
Adam Fliege - 26. Mai, 07:38
