/111/ /Daniel Ramirer: China-Kiste
Ohne auf seine offenkundigen Absichten zu reagieren, sprach Fang Wei nun, beinahe fehlerlos, über ihre Zukunft.
- Hoffe, kann endigen den Deutschkurs noch vor das Sommer. Und im Herbst ich will in der Uni Vorlesungen gehen, in Wirtschaftsuni. Und Überzeugung, überzeugt, ich schließe alles ab, in vier Jahren, ich bin stark, sehr stark, willestark, glaubst du das nicht?
Schelsky bewunderte ihre schnelle Anpassung und die Leichtigkeit ihres Lernens, warf ihr gleichzeitig ihren egoistischen, rassistisch gefärbten Ehrgeiz vor, der sich nicht viel von dem Sun Lins unterschied. Er behauptete, sie wolle die Ägypter, die Türken und vor allem die Nigerianer austricksen. Auch die einzige Russin im Kurs. Das hatte ihm Frau Katzer nebenbei zugesteckt.
Darauf ging Fang Wei nicht ein, sondern tadelte sein ständiges Lachen. Sie verlangte eine Erklärung dafür, die er ihr nicht geben wollte, jedenfalls nicht in der Tragweite, wie sie sich das vielleicht gewünscht hatte.
Die laue Bestätigung seiner Zuneigung stellte sie aber nicht zufrieden. Ernst und erstaunlich heftig hielt sie ihm vor, sie nicht zu verstehen.
- Ich bin realistisch, sagte Schelsky, ich akzeptiere deinen Egoismus. Würde sie nicht egoistisch sein, müßte er glauben, daß sie ihn anlüge.
- Nein, behauptete sie, sie lüge ihn nicht an, wenn sie sage, sie empfinde sehr, sehr schöne Gefühle für ihn. Obwohl es egoistisch von ihm sei, sie so zu bedrängen, und so bewußt in einem Zwiespalt mit den Gefühlen zu ihrem Freund zu stoßen. Wörtlich, auf einmal Englisch: It hurts inside and outside. You hurt me, you tricky darling!
Er mußte wieder lachen und sah sich dabei zugleich mit ihren Augen auf sein faunisch verzerrtes Gesicht, seine anachronistische Mephistopheles-Maske, seinen wie eine abgegriffene Münze an der Stirn glänzenden Schädel. Er beruhigte sie aber mit dem Hinweis, daß sie sich nicht ausgelacht zu fühlen brauche, denn sein Gelächter drücke nur seine Harmonie mit ihr aus. Und - wegen ihr - mit der ganzen Welt.
Trotzdem wich sie vor ihm zurück, als er versuchte, sie auf die Wange zu küssen. Auch Streicheln an den Schläfen, am Hals oder gar im Nacken unter den Haaren war nicht erwünscht. Sie bog sich jedesmal weg, allerdings mit einer nicht zu verleugnenden provokativen Koketterie.
Das nahm ihm den Wind aus den Segeln, noch mehr jedoch die Frage, ob er geschlechtskrank sei: mit verschwommenen Augen verlangte sie eine Antwort.
- Nein, sagte er mit verkrampfter Miene, er habe weder Syphilis noch Tripper noch Gonorrhoe noch Herpes. Und schon gar nicht Aids. Er beschloß, für heute aufzugeben.
- Hoffe, kann endigen den Deutschkurs noch vor das Sommer. Und im Herbst ich will in der Uni Vorlesungen gehen, in Wirtschaftsuni. Und Überzeugung, überzeugt, ich schließe alles ab, in vier Jahren, ich bin stark, sehr stark, willestark, glaubst du das nicht?
Schelsky bewunderte ihre schnelle Anpassung und die Leichtigkeit ihres Lernens, warf ihr gleichzeitig ihren egoistischen, rassistisch gefärbten Ehrgeiz vor, der sich nicht viel von dem Sun Lins unterschied. Er behauptete, sie wolle die Ägypter, die Türken und vor allem die Nigerianer austricksen. Auch die einzige Russin im Kurs. Das hatte ihm Frau Katzer nebenbei zugesteckt.
Darauf ging Fang Wei nicht ein, sondern tadelte sein ständiges Lachen. Sie verlangte eine Erklärung dafür, die er ihr nicht geben wollte, jedenfalls nicht in der Tragweite, wie sie sich das vielleicht gewünscht hatte.
Die laue Bestätigung seiner Zuneigung stellte sie aber nicht zufrieden. Ernst und erstaunlich heftig hielt sie ihm vor, sie nicht zu verstehen.
- Ich bin realistisch, sagte Schelsky, ich akzeptiere deinen Egoismus. Würde sie nicht egoistisch sein, müßte er glauben, daß sie ihn anlüge.
- Nein, behauptete sie, sie lüge ihn nicht an, wenn sie sage, sie empfinde sehr, sehr schöne Gefühle für ihn. Obwohl es egoistisch von ihm sei, sie so zu bedrängen, und so bewußt in einem Zwiespalt mit den Gefühlen zu ihrem Freund zu stoßen. Wörtlich, auf einmal Englisch: It hurts inside and outside. You hurt me, you tricky darling!
Er mußte wieder lachen und sah sich dabei zugleich mit ihren Augen auf sein faunisch verzerrtes Gesicht, seine anachronistische Mephistopheles-Maske, seinen wie eine abgegriffene Münze an der Stirn glänzenden Schädel. Er beruhigte sie aber mit dem Hinweis, daß sie sich nicht ausgelacht zu fühlen brauche, denn sein Gelächter drücke nur seine Harmonie mit ihr aus. Und - wegen ihr - mit der ganzen Welt.
Trotzdem wich sie vor ihm zurück, als er versuchte, sie auf die Wange zu küssen. Auch Streicheln an den Schläfen, am Hals oder gar im Nacken unter den Haaren war nicht erwünscht. Sie bog sich jedesmal weg, allerdings mit einer nicht zu verleugnenden provokativen Koketterie.
Das nahm ihm den Wind aus den Segeln, noch mehr jedoch die Frage, ob er geschlechtskrank sei: mit verschwommenen Augen verlangte sie eine Antwort.
- Nein, sagte er mit verkrampfter Miene, er habe weder Syphilis noch Tripper noch Gonorrhoe noch Herpes. Und schon gar nicht Aids. Er beschloß, für heute aufzugeben.
Adam Fliege - 29. Mai, 11:44
