/112/ /Daniel Ramirer: China-Kiste
Als sie danach durch die Rustenschacherallee fuhren, wollte Fang Wei etwas über die Frauen wissen, die am Straßenrand auf und ab stöckelten. Seltsamerweise fügte sie an seine Antwort sofort das Versprechen, dann, wenn sie besser Deutsch könne, einen Aufsatz über die Prostitution in China, nur für ihn, zu schreiben.
An einer Straßenecke unter Bäumen saß er schließlich mit immer schlimmer werdenden Rückenschmerzen hinter dem Lenkrad, die Welt draußen vor sich wie auf einem Bildschirm, stets mit Blick auf die Autouhr, um die richtige Zeit des Abschieds nicht zu verpassen, weder nervös noch gelassen, eher erstaunt über das Glück, daß nun doch etwas passierte, ohne daß irgendein Plan gefaßt worden war, ohne dezidierte Absichtserklärung oder auch irgendwelche einleitenden Schritte, die nur auf dieses bestimmte Ergebnis hinsteuerten. Natürlich - er könnte sich leicht abkanzeln wegen seines unglaubwürdigen Unschuldsgetues; könnte die Pose des immerwährenden Aufbruchs belächeln oder gar verdammen.
- Hast du ein Hm?, fragte ihn Fang Wei plötzlich und näherte ihr Gesicht erhellend dem seinen.
- Ich hab ein Hm?, fragte er zurück und wunderte sich über ihren festen Griff auf seine Nase.
- Großgroß, sagte sie bewundernd.
- Für europäische Verhältnisse sie sie aber höchstens mittelprächtig, wehrte er ab. Kein echter Pfrnak.
- Was das sei, ein Fi-ri-nak, wollte sie wissen.
- So was wie eine Knolle, ein Erdapfel.
- Oh, sagte sie, Erdapfe, Erdapfe im Gesicht! und führte lächelnd seinen Zeigefinger zu ihrer kalten Nasenspitze.
Sie ließ sich damit auch an den Lippen berühren, aber nicht küssen. Sie klopfte ihm gegen die Brust und begann sein Brustbein so heftig zu reiben, daß es ihn schmerzte, knöpfte ihm das Hemd auf und fragte, warum er viele Hm! auf der Brust habe.
- Haare, belehrte er sie.
Gleich danach berührte sie seinen Oberschenkel: Und das?
- Ein Muskel, sagte er, den brauchst du zum Stehen, zum Gehen und zum Sitzen. Und er begriff auf einmal den Sinn dieses Spiels - Fang Wei wollte lernen, und zwar direkt an ihm, an seinem Körper, und in Windeseile, und erwartete, daß er ihr schnell half, dann würde alles andere egal sein, zumindest in diesem Moment.
An einer Straßenecke unter Bäumen saß er schließlich mit immer schlimmer werdenden Rückenschmerzen hinter dem Lenkrad, die Welt draußen vor sich wie auf einem Bildschirm, stets mit Blick auf die Autouhr, um die richtige Zeit des Abschieds nicht zu verpassen, weder nervös noch gelassen, eher erstaunt über das Glück, daß nun doch etwas passierte, ohne daß irgendein Plan gefaßt worden war, ohne dezidierte Absichtserklärung oder auch irgendwelche einleitenden Schritte, die nur auf dieses bestimmte Ergebnis hinsteuerten. Natürlich - er könnte sich leicht abkanzeln wegen seines unglaubwürdigen Unschuldsgetues; könnte die Pose des immerwährenden Aufbruchs belächeln oder gar verdammen.
- Hast du ein Hm?, fragte ihn Fang Wei plötzlich und näherte ihr Gesicht erhellend dem seinen.
- Ich hab ein Hm?, fragte er zurück und wunderte sich über ihren festen Griff auf seine Nase.
- Großgroß, sagte sie bewundernd.
- Für europäische Verhältnisse sie sie aber höchstens mittelprächtig, wehrte er ab. Kein echter Pfrnak.
- Was das sei, ein Fi-ri-nak, wollte sie wissen.
- So was wie eine Knolle, ein Erdapfel.
- Oh, sagte sie, Erdapfe, Erdapfe im Gesicht! und führte lächelnd seinen Zeigefinger zu ihrer kalten Nasenspitze.
Sie ließ sich damit auch an den Lippen berühren, aber nicht küssen. Sie klopfte ihm gegen die Brust und begann sein Brustbein so heftig zu reiben, daß es ihn schmerzte, knöpfte ihm das Hemd auf und fragte, warum er viele Hm! auf der Brust habe.
- Haare, belehrte er sie.
Gleich danach berührte sie seinen Oberschenkel: Und das?
- Ein Muskel, sagte er, den brauchst du zum Stehen, zum Gehen und zum Sitzen. Und er begriff auf einmal den Sinn dieses Spiels - Fang Wei wollte lernen, und zwar direkt an ihm, an seinem Körper, und in Windeseile, und erwartete, daß er ihr schnell half, dann würde alles andere egal sein, zumindest in diesem Moment.
Adam Fliege - 30. Mai, 08:46
