/085/ /Daniel Ramirer: China-Kiste
Dann gingen die beiden in die Sauna hinunter. Es war nur ein kleiner Raum für maximal vier Personen, zwei unten, zwei oben auf der Holzpritsche. Das Thermometer zeigte schon 90 Grad, das genügte.
Robert hatte seinen Camcorder mitgenommen. Er wollte hier sein Interview mit Schelsky machen.
Der fand das originell und hatte dagegen nichts einzuwenden.
Robert unterbrach den Monolog Schelskys nicht, der sich zuerst mit seinem Ideal von Frauen und dann mit der Situation im Haus und seiner finanziellen Abhängigkeit von Margarete und ihrer Familie befaßte. Er entfernte zwischendurch sein linkes Auge vom Sucher und nickte ihm aufmunternd zu.
Bald bemerkte dieser, daß er sich in eine Hast geredet hatte und atemlos wurde. Er legte seine Hand auf die Brust und hielt inne.
Robert lächelte und blickte ihn fragend an.
Doch gleich setzte Schelsky seine Selbstbezichtigungen fort und schloß mit der Frage, wie es denn nun weitergehen sollte.
Robert beendete die Aufnahme, verstaute das Gerät und setzte sich zu Schelsky auf die Bank.
- Du willst also wissen, ob es einen Ausweg gibt? Wie du weißt, bin ich vor ungefähr einem Jahr verlassen worden. Und warum? Weil ich zu lange zugewartet hab. Das ist schlecht. Man soll seinen Augen und seinem Gefühl trauen. Die andern führen immer etwas im Schilde, es gibt keinen Stillstand. Du mußt selbst etwas dazu tun, daß es dir besser geht. Du hast dich hier eingebunkert. Aber es gibt Türen und Verkehrsmittel.
- Gut, ich geh also weg. Und dann?
- Entscheid dich für eine von den Chinesinnen! Hast du schon mit einer geschlafen? Nein? Also wenn du mit beiden gleichzeitig weitermachst, wird sich dein Dilemma nicht verringern. Welche auch immer wirklich deine heiße Liebe ist - du lernst für sie Chinesisch und alles, was mit diesem Land zusammenhängt. Studier Konfuzius und Mao Zedong! Irgendwie mußt du ihren Mann loswerden. Du mußt sie von hier wegbringen, sie gehört nach Hause, zu ihrem Kind und den Eltern. Es gibt Wichtigeres als deine Magenschmerzen und das Versinken in Selbstmitleid! Du kehrst also mit der Chinesin deiner Wahl in ihre Heimat zurück und hilfst beim Aufbau der neuen kapitalistischen Gesellschaft mit. Nichts hindert dich, darüber ein Buch zu schreiben, und zwar an Ort und Stelle und damit aus eigener Anschauung! Und so nebenbei zeugst du noch einige süße kleine Mischlingskinder, von denen du dann regelmäßig Fotos deiner Margarete schickst!
- Nicht schlecht, sagte Schelsky. Hast du noch etwas für mich parat?
Robert hatte seinen Camcorder mitgenommen. Er wollte hier sein Interview mit Schelsky machen.
Der fand das originell und hatte dagegen nichts einzuwenden.
Robert unterbrach den Monolog Schelskys nicht, der sich zuerst mit seinem Ideal von Frauen und dann mit der Situation im Haus und seiner finanziellen Abhängigkeit von Margarete und ihrer Familie befaßte. Er entfernte zwischendurch sein linkes Auge vom Sucher und nickte ihm aufmunternd zu.
Bald bemerkte dieser, daß er sich in eine Hast geredet hatte und atemlos wurde. Er legte seine Hand auf die Brust und hielt inne.
Robert lächelte und blickte ihn fragend an.
Doch gleich setzte Schelsky seine Selbstbezichtigungen fort und schloß mit der Frage, wie es denn nun weitergehen sollte.
Robert beendete die Aufnahme, verstaute das Gerät und setzte sich zu Schelsky auf die Bank.
- Du willst also wissen, ob es einen Ausweg gibt? Wie du weißt, bin ich vor ungefähr einem Jahr verlassen worden. Und warum? Weil ich zu lange zugewartet hab. Das ist schlecht. Man soll seinen Augen und seinem Gefühl trauen. Die andern führen immer etwas im Schilde, es gibt keinen Stillstand. Du mußt selbst etwas dazu tun, daß es dir besser geht. Du hast dich hier eingebunkert. Aber es gibt Türen und Verkehrsmittel.
- Gut, ich geh also weg. Und dann?
- Entscheid dich für eine von den Chinesinnen! Hast du schon mit einer geschlafen? Nein? Also wenn du mit beiden gleichzeitig weitermachst, wird sich dein Dilemma nicht verringern. Welche auch immer wirklich deine heiße Liebe ist - du lernst für sie Chinesisch und alles, was mit diesem Land zusammenhängt. Studier Konfuzius und Mao Zedong! Irgendwie mußt du ihren Mann loswerden. Du mußt sie von hier wegbringen, sie gehört nach Hause, zu ihrem Kind und den Eltern. Es gibt Wichtigeres als deine Magenschmerzen und das Versinken in Selbstmitleid! Du kehrst also mit der Chinesin deiner Wahl in ihre Heimat zurück und hilfst beim Aufbau der neuen kapitalistischen Gesellschaft mit. Nichts hindert dich, darüber ein Buch zu schreiben, und zwar an Ort und Stelle und damit aus eigener Anschauung! Und so nebenbei zeugst du noch einige süße kleine Mischlingskinder, von denen du dann regelmäßig Fotos deiner Margarete schickst!
- Nicht schlecht, sagte Schelsky. Hast du noch etwas für mich parat?
Adam Fliege - 3. Mai, 07:50
