/100/ /Daniel Ramirer: China-Kiste

Frau Katzer hatte ihn angerufen und davon informiert, daß ihr Kollege, wie versprochen, Sun Lin übernommen habe. Er habe über sie auch von seiner Schreibtätigkeit gehört und sei sehr interessiert, ihn kennenzulernen. Schelsky hatte das so aufgefaßt, daß dieser am Vormittag auch anzutreffen sein würde. Er war aber nirgendwo, für Frau Katzer eine peinliche Angelegenheit, die sie jedoch übertünchte, indem sie sich beim Hinaufgehen über die ständige, für sie unerträgliche Verfolgung durch einige arabische Studenten beklagte, die eben auf Hellhäutigkeit und Blond flogen, weshalb sie, wie sie behauptete, heute das nonnenhafteste Kleid trug, das sie besaß. Sie wolle, enthüllte sie Schelsky, nun nur mehr hochgeschlossen, in weiten Hosen oder Röcken und Jacken unterrichten. Und auch bei Sommerhitze werde sie versuchen, nichts von ihrer Gestalt durchscheinen zu lassen. Deshalb nehme sie nur straffe Leibchen von ihrem Mann, die ihre Formen neutralisieren sollten. Am liebsten würde sie sich allerdings wie eine Perserin unter einem Rusali oder Manto verstecken.

Schelsky lächelte über soviel Naivität, musterte sie aber dann doch genauer und konnte nicht umhin, sie im Geiste bei der nächsten offenen Klotür hineinzudrängen, um ihr seinen Daumen - oder gleich mehrere Finger - hineinzustecken und sie darauf so lange reiten zu lassen, bis sie zugab, daß sich unter ihrer Züchtigkeit nur eine unerhörte Geilheit verbarg, die sie nur in ihren ihm noch nicht bekannten Träumen auslebte. Gleich danach schalt er sich einen rücksichtslosen Hurenbock, der mit solchen Phantasien nur den Prophezeiungen seiner Frau auf den Leim ging. Andererseits war er sexuell ausgehungert, und das hatte diese verursacht. Er konnte sich nur weiterhin vorwerfen, ein Leben zu ihren Bedingungen zu führen.

Frau Katzer war nicht abgeneigt, ihn ein weiteres Mal privat zu treffen, auch ohne ihren Sohn oder gar Mann, wollte sich aber noch nicht auf Zeit und Ort festlegen.

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